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STAMINA – Entwicklung von gewaltfreiem Verhalten in Schule und Freizeit bei Jugendlichen aus gewaltbelasteten Familien (2009-2011)

Auftraggeber: Europäische Kommission - Daphne III Programm

Laufzeit: Januar 2009 - Dezember 2011

Projektpartner:

Universität Osnabrück - Institut für Erziehungswissenschaften (Deutschland)
Dissens - Institut für Bildung und Forschung e.V. (Deutschland)
Männerberatung e. V. (Österreich)
Universität Girona (Spanien)

The Peace Institute – Institute for Contemporary Social and Political Studies (Slovenien)

Projektbeschreibung:

Die Beziehung zwischen der erlebten physischen und/oder psychischen Gewalt von Jugendlichen in der Familie als Opfer und der schulischen Gewalt mit Jugendlichen als Täter/innen ist, so die vorliegenden Forschungsergebnisse, besonders ausgeprägt. Dennoch kann nicht davon ausgegangen werden, dass Gewaltentwicklung Jugendlicher in der Schule kausal mit der sozialen Herkunft und der damit einhergehenden familiären Erfahrungen determiniert ist.
Das Projekt versucht, Faktoren von Gewaltresilienz zu ermitteln, d.h. herauszufinden, was Jugendliche mit für die Entwicklung von gewaltfreien Konfliktalternativen ungünstigen familiären Bedingungen dazu bringt, sich (kontraintuitiv aber eindeutig erfreulicherweise!) im Gewaltbereich wider Erwarten positiv, d.h. gewaltfrei zu entwickeln.
Die Ergebnisse des Projekts sollen Aufklärung zur Gestaltung von wirksamen Massnahmen für Familien und Schule erlauben. Dabei geht es konkret um die Identifikation von Faktoren, die auch unter erschwerten familiären Sozialisationsbedingungen eine gewaltfreie Entwicklung Jugendlicher in der Schule und in der Freizeit begünstigen. Hierbei lenken wir die Aufmerksamkeit auf Faktoren, die in Familien, Schulen oder im ausserschulischen Gleichaltrigenkontext beeinflussbar erscheinen und Orientierungshilfen zur Gestaltung von wirksamen Maßnahmen erlauben. Der äußerst fruchtbaren Gewalt-Intersektionalitätsdebatte folgend, untersuchen wir die Heterogenität der Gewaltsozialisation nach Geschlecht, kulturellem Hintergrund und sozialen Status. Diese Resultate sollen die Grundlage für gezielte Fördermaßnahmen bilden.
Dazu führen wir eine Querschnittstudie mit einem quantitativen und einem qualitativen Teil durch. In einem ersten Schritt werden insgesamt 3400 14/15jährige Jugendliche mit Fragebögen in Österreich, Deutschland, Slowenien und Spanien befragt werden. Hierbei geht es um Daten zur Gewaltsozialisation in der Familie, der Schule und in der Freizeit. Dieser erste Erhebungsschritt soll eine erste quantitativ orientierte Eingrenzung von relevanten Faktorenbereichen hin zu Gewaltresilienz erlauben. In einem zweiten und daran angeschlossenen Schritt soll der prozessuale Aspekt dieser Faktoren in insgesamt vier Ländern über matched samples Interviews zur Gewaltsozialisation ausgeleuchtet werden. Untersucht werden dabei 80 Paare von Jugendlichen (20 Paare pro Land) mit ähnlichen Ausgangsbedingungen (z.B. Geschlecht, SES, familiäre und schulische Sozialisation), die sich aber in ihrem Gewaltverhalten unterscheiden. Dabei werden die erfahrene Gewalttätigkeit in der Familie und die ausgeübte Gewalt der Jugendlichen  in der Schule variiert. Es gilt dann, den Ursachen für die Verschiedenheit eines Fallpaares auf die Spur zu kommen. Wir erwarten von der Auswertung solcher Daten einerseits ein vertieftes Verständnis der Wirkungsgefüge, welche die Gewaltsozialisation von belasteten Jugendlichen mitbeeinflussen und andererseits Hinweise auf Faktoren, welche ungünstige Ausgangsbedingungen auszugleichen vermögen.

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